Die New York Giants haben am Mittwoch ihre letzten „Top 30″-Besuche für den NFL Draft 2026 abgeschlossen — und die Gästeliste verrät ziemlich klar, wohin die Reise gehen soll. Linebacker Josiah Trotter und Defensive Tackle Chris McClellan, beide von Missouri, waren in East Rutherford vor Ort. Klingt nach Routine, aber der Kontext macht es spannend.
Dass die Giants ein echtes Problem auf der Defensive-Tackle-Position haben, liegt auf der Hand. Ob Dexter Lawrence in der kommenden Saison überhaupt aufläuft, ist unklar. Dass McClellan eingeladen wurde, passt wie ein Puzzleteil. Er steht auf dem Big Board der NFL Mock Draft Database auf Rang 116, also ungefähr vierte Runde. Kein Erstrundenpick — aber genau solche Spieler füllen am Ende Kader.
Dane Brugler von The Athletic schreibt über McClellan, er sehe aus wie ein NFL-Spieler, mit massivem Körperbau und Händen wie Bärentatzen. Wenn er den Snap richtig timt und seine Reichweite oder Arm-over-Moves einsetzt, könne er Centers ernsthaft Probleme bereiten. Allerdings bleibe er manchmal an Blocks hängen und müsse effizienter arbeiten, um sich zu lösen. Gegen den Lauf könne er seinen Punkt halten und gut auf Double Teams reagieren. Brugler kommt zu dem Schluss, dass McClellan kein konstanter Disruptor sei, aber viele Anforderungen durch seine physischen Eigenschaften erfülle. Er projiziert ihn als Rotationsspieler im Interior, der als Zero- oder One-Technique wertvolle Snaps liefern kann.
Jetzt wird es interessant. Trotter steht deutlich höher — Rang 64, was ihn Ende der zweiten oder Anfang der dritten Runde platziert. Wie sein Vater, ein All-Pro Linebacker, sei Trotter laut Brugler ein Hammer auf der Suche nach einem Nagel. Er lese Laufspielzüge schnell, sei physisch stark gegen Blocks und tackele sauber. Auf der anderen Seite zeige er im Passspiel inkonsistentes Route-Erkennen, was ihn oft in schlechte Positionen bringe. Seine Wettbewerbsmentalität als Feldgeneral werde ihn bei Profi-Coaches aber beliebt machen. Brugler räumt ein, dass Trotter noch keine echte Playmaker-Awareness in der Coverage habe, sieht seine Run-Instinkte aber unter den besten dieser Klasse. Er sehe aus wie ein startender NFL-Stammspieler auf der Mike-Position.
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etrachtet man die gesamte Liste der Top-30-Besuche, ergibt sich ein deutliches Bild. Die Giants haben sich unter anderem Jeremiyah Love (RB, Notre Dame), KC Concepcion (WR, Texas A&M), Travis Burke (OT, Memphis), Ted Hurst (WR, Georgia State), Carnell Tate (WR, Ohio State), Thaddeus Dixon (CB, UNC), Christen Miller (DT, Georgia), Spencer Fano (OT, Utah), Arvell Reese (OLB, Ohio State), Mansoor Delane (CB, LSU), Caleb Lomu (OT, Utah), Febechi Nwaiwu (G, Oklahoma), Chris Johnson (CB, San Diego State), JC Davis (OL, Illinois) und Tacario Davis (Washington) angeschaut. Die Streuung ist breit, aber der Schwerpunkt auf Verteidigung und Trenches unübersehbar.
Entscheidend ist, dass sich die Giants auf mehrere Szenarien vorbereiten, gerade bei der Defensive-Tackle-Position. Ob Lawrence bleibt oder nicht, sie wollen nicht unvorbereitet dastehen. Trotter wiederum könnte ein Spieler sein, den sie früher als erwartet greifen — sein Profil schreit nach sofortigem Stammspieler. In den nächsten Wochen lohnt es sich zu beobachten, ob weitere Linebacker oder Interior-Linemen auf dem Radar auftauchen. Das würde die Richtung endgültig bestätigen.